Seiten

Donnerstag, 22. November 2018

Das Kreuz mit der Kirche

Vortrag von Dr. David Berger im Ratskeller Charlottenburg
Er ist als katholischer Theologe aus der Kirche ausgetreten, setzt sich aber dennoch für eine Re-Katholisierung Europas ein, weil nur so eine Islamisierung verhindert werden könne: David Berger, viele Jahre Professor im Vatikan, seit 2016 Blogger der liberal-konservativen Seite philosophia-perennis und freier Journalist (u.a. für  Die Zeit, Junge Freiheit, The European). Seine Bibliographie wissenschaftlicher Schriften umfasst ca. 1.000 Titel. Warum glaubt er, dass Europa ohne den christlichen Glauben verloren sei?
Dr. David Berger (rechts im Bild)
Der Roman von Michel Houellebecq „Unterwerfung“ habe ihn zum Nachdenken gebracht. In einem Interview mit dem SPIEGEL vertrat der Autor die Meinung, unsere weitgehend vom Atheismus und der Kirchenferne geprägte Zeit und Kultur sei schwach geworden und der Atheismus sterbe an seinen eigenen Zweifeln. So sei ein Vakuum entstanden, in das der Islam hineindränge. Houellebecq teilt die Ansicht des Philosophen Auguste Comte, dass eine Gesellschaft ganz ohne Religion nicht fortbestehen könne. 
Als Gegenentwurf zur Islamisierung brachte Houellebecq den Katholizismus ins Spiel. Neben dem Erstarken des Islam gebe es eine bemerkenswerte Wiederkehr des Katholizismus in Frankreich. In Deutschland – so Berger - sei dies jedoch ganz anders. Niemals habe sich der Katholizismus so gleichschalten lassen mit dem herrschenden politischen System wie heute in Deutschland unter Marx und Woelki. Selbst im Dritten Reich sei mehr Widerstandskraft vorhanden gewesen, als hunderte Priester ins KZ Dachau abgeschoben wurden, aber sie den Papst hinter sich wussten. 
Die katholische Kultur – so Berger - habe unser Wertesystem ganz entschieden geprägt und festgestellt, der Wert einer menschlichen Person sei unabhängig von der Rasse, der Herkunft, der Religion oder dem Geschlecht. Und das bereits vom Mittelalter bis ins 17. Jahrhundert, was die Grundlage für die Entwicklung der Menschenrechte bedeutete. Auch hätten sich die Väter unseres Grundgesetzes immer wieder Rat bei den Dominikanern geholt, wodurch es entschieden von unserem christlichen Wertesystem geprägt wurde. Berger glaubt, dass die Wiederentdeckung des Katholizismus als eine Art konservative Revolution der Barbarei des Islams etwas entgegensetzen könnte. 
In Frankreich habe das schon begonnen. Dort seien die Kirchen wieder voll – wie auch Michel Houellebecq festgestellt habe: »Getragen wird es zum Beispiel von den sogenannten Charismatikern, die ihre Gottesdienste in Happenings, in Gefühlsergüsse verwandeln, wie es auch Pfingstler oder Evangelikale tun. Die Demonstrationen gegen die Ehe für alle und das Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare haben die Politik durch ihre Massenmobilisierung überrascht. Niemand hätte derlei für möglich gehalten. Die Katholiken in Frankreich sind sich ihrer Stärke so wieder bewusst geworden. Das war wie eine unterirdische Strömung, die plötzlich zutage trat. Für mich einer der interessantesten Momente in der jüngsten Geschichte.«
Bei der anschließenden Diskussion mit vielen der etwa 100 Zuhörer erklärte Berger, der Mensch habe von Natur aus ein religiöses Bedürfnis und deshalb werde es nicht gelingen, die Religion aus der Öffentlichkeit zu verdrängen. Das sei die große Chance der Kirchen, den Menschen Antworten auf ihre Sinnfragen zu geben.

Keine Kommentare: