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Dienstag, 28. Februar 2017

Josef Müller: Im Knast rettete ihn Jesus

Er ist trotz Rollstuhl und seiner 61 Jahre immer noch ein Energiebündel - Josef Müller, der Mann, der alles hatte: „Geld, Autos, eine Yacht, Frauen. Aber glücklich war ich nicht! Ich brachte 40 Millionen US-Dollar von einer Drogen- und Waffen-Mafia in Koffern nach Deutschland und verzockte es an der Börse!“ Fünfeinhalb Jahre im Gefängnis München-Stadelheim beendeten sein Luxusleben. Auf Einladung des Gesprächsforums „Leben + Glauben“ sprach er im Februar in Berlin. Ich freute mich ihn kennenzulernen, denn ich hatte nicht nur sein erstes Buch über den „Ziemlich besten Schurken“ gelesen, sondern immer wieder gehört, dass er Menschen für den christlichen Glauben begeistern könne.
Josef Müller signiert sein neues, lesenswertes Buch "Go!" für uns.
Seit einem Autounfall in jungen Jahren ist Josef Müller querschnittsgelähmt. Von dem Gedanken, nun ein Leben lang im Rollstuhl sitzen zu müssen, ließ er sich aber nicht lähmen, sondern nutzte seine beruflichen Chancen. In zwölf Jahren gründete er vier Steuer- und Wirtschaftsprüfungskanzleien mit 50 Mitarbeitern. Sehr schnell lernte er die Kunst der Geldvermehrung. Für Geld gebe es aber keinen Sättigungsgrad, erklärte er. Er habe Menschen kennengelernt, die besaßen Hunderte von Millionen und waren doch nicht zufrieden. Aber auch er wollte reich werden, richtig reich. Er hatte Wohnungen in Dubai und Monte Carlo und gesteht heute: „Ich war damals so verrückt, dass ich zur gleichen Zeit einen schwarzen Rolls Royce mit einem weißen Fahrer, aber natürlich auch einen weißen Rolls Royce mit einem schwarzen Fahrer besaß.“ Wirklich glücklich wurde er dadurch aber nicht.
Seine depressiven Gedanken versuchte er mit exzessivem Kokain- und Alkoholkonsum zu dämpfen. Im Februar 2005 wollte er sich aus dem 20. Stock seines Apartments in Florida zu Tode stürzen, als er plötzlich eine Männerstimme hörte: „Kehre um, fliege zurück nach Deutschland und stelle dich den Behörden!“ Ein Windstoß von der offenen Balkontür wehte ihm ein Lesezeichen vor die Füße, auf dem er las: „Sei unerschrocken und unverzagt, denn dein Gott ist mit dir, wohin du auch gehst“ (Die Bibel, Josua 1,9).
Er beschloss, nach Europa zurückzukehren und mit seiner Frau ein letztes Mal zu feiern. Doch bei einem Zwischenstopp in einem Wiener Nobelhotel wurde er festgenommen.
Die ersten Tage im Gefängnis waren ein Schock für ihn: „Ich saß einfach nur herum und starrte vor mich hin. Immer wieder kamen mir die Tränen. Doch mit der Zeit lernte ich, es anders zu sehen. Dass ich hier einsaß, war allein meine Schuld. Ich hatte mir die Jahre der Haft redlich verdient, durch Maßlosigkeit und Selbstüberschätzung.“
Ein kleines Büchlein des Pallotinerpaters Dr. Jörg Müller („Gott heilt auch dich“), das sein Vater ihm beim Besuch in der Haftanstalt mitgebracht hatte, brachte die Wende. Er las darin von einer „Lebensübergabe an Jesus“ und erkannte das größte Problem seines Lebens: Er hatte keine lebendige Beziehung zu Gott, den der Mensch so nötig braucht wie die Primel das Wasser. Dieser Jörg Müller behauptete, jeder könne mit Gott reden.
Also versuchte es auch Josef Müller: „Mein Herr und mein Gott. Bisher hatte ich keinen näheren Kontakt zu dir...“ Er sprach mit Gott über seinen lauen Glauben, sein verkorkstes Leben und bereute zutiefst, dass er fast gegen alle Gebote verstoßen hatte: „Mein Herr und mein Gott. Ich würde gern eine lebendige Beziehung zu dir haben. Ich bin mit meinem Leben am Ende. Ich habe keine Freunde, kein Geld. Ich habe mich an deine Gebote nicht gehalten. Ich bitte dich um Vergebung. Übernimm mein Leben! Mal sehen, ob es dich wirklich gibt! Nimm meine Bitte an!“
Nach diesem Gebet lauschte er in die dunkle Stille hinein und es passierte... nichts. Zwei Tage später jedoch wachte er mit einem Glücksgefühl und einer Freude auf, wie er sie nie zuvor erlebt hatte. Am unfreiesten Ort, den man sich vorstellen konnte, hatte er eine innere Freiheit gefunden, die ihn beflügelte. Er begann, in der Bibel zu lesen und vertiefte seinen Glauben durch ein Theologiestudium.
Josef Müller appellierte in Berlin an seine Zuhörer: „Auch Sie können Jesus reden hören. Schließen Sie sich ein in Ihrer Kammer und reden Sie mit ihm. Sagen Sie zu Gott: Ich will dich kennenlernen! Gott will mit Ihnen eine lebendige Beziehung haben. Hören Sie nicht auf zu beten!“
Außerdem sei es sehr wichtig, täglich wenigstens 15 Minuten in der Bibel zu lesen, um das Feuer des Glaubens am Brennen zu halten. Gott habe einen Lebensplan für jeden. Es sei wichtig, dort die Erfüllung zu sehen, wo Gott einen hingestellt habe.
In unserer Gesellschaft werde oft gesagt, Glauben sei Privatsache, aber das stimme nicht. Christen müssten Zeugnis geben ohne Scham, ohne Furcht. Gott sei immer für uns da, warum reden wir dann nicht über ihn?
In seinem neuen Buch „Go! Das Leben will dir Beine machen“ will der Mann, der seine Beine nicht mehr bewegen kann, uns „Beine machen“, eine echte Freundschaft zu Jesus aufzubauen: „Gott gibt dir keine fertige Landkarte, aber er reicht dir seine Hand und geht deine Wege mit.“
Webseite von Josef Müller: http://josef-mueller.de
Webseite seiner Stiftung „Jesus saved my life Ministry“: http://jesus-saved-my-life.de/
Josef Müller sprach im SI-Hotel in Berlin.