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Sonntag, 21. September 2014

Marsch für das Leben 2014: Rassismus?

Sich zu „outen“ ist heutzutage gesellschaftlich angesagt. Also „oute“ ich mich auch. Ja, meine Frau und ich haben es schon wieder getan! Wir haben uns gestern erneut in der „Gruseligen Allianz der Vorgestrigen“ (Berliner Kurier) eingereiht. Für den grünen Politiker Volker Beck ging es uns dabei um „Bevölkerungspolitik, Macht & Rassismus, aber nicht um das Leben“. Heutzutage ist man also ein Rassist, christlicher Fundamentalist, neuer Rechter oder extrem konservativer AFDler, wenn man sich beim „Marsch für das Leben“ für das unbedingte Recht auf Leben als oberstes Menschenrecht einsetzt.
Deshalb sei hier einmal kurz daran erinnert, was in unserem Grundgesetz dazu steht:
·       Artikel 1: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“
·       Artikel 2: „Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit.“
"Marsch für das Leben" 2014
Die meisten Menschen in unserem Land wissen, dass diese Rechte immer mehr ausgehöhlt werden. Mehr als 100.000 ungeborene Kinder werden Jahr für Jahr abgetrieben, Beihilfe zur Selbsttötung und Euthanasie werden unter dem Deckmantel der „Barmherzigkeit“ vorangetrieben. So etwas darf zumindest uns Christen nicht gleichgültig sein. Deshalb rief der „Bundesverband Lebensrecht e.V.“ dazu auf, „gemeinsam für ein Europa ohne Abtreibung und Euthanasie einzutreten. Dazu ist auf allen Ebenen ein Umdenken zugunsten von ungeborenen, kranken und alten Menschen erforderlich. Nur so ist allen Menschen ein Leben in Selbstbestimmung, Freiheit und Würde möglich“.
Selbsttötung verhindern, nicht fördern!
Eigentlich – so sollte man meinen - müssten sich alle Menschen und Politiker über einen solchen Marsch freuen! Doch das Gegenteil ist der Fall. Der jährliche Aufmarsch der Lebensschützer ist unserer hedonistischen Gesellschaft zunehmend ein Stachel im Fleisch. Sogar im Bundestag wütet DIE LINKE jetzt schon dagegen und stellte den Gegendemonstranten erhebliche finanzielle Mittel zur Verfügung, damit sie diesen Marsch wie in jedem Jahr kräftig stören konnten.
Ja, der 8 km lange Schweigemarsch vom Bundeskanzleramt bis zum Berliner Dom war kein Spaziergang, sondern eher ein Spießrutenlaufen. Ständig wurden uns die Ohren mit Trommellärm, Pfeifen und hasserfüllten Parolen zugebrüllt. Sogar während der Schweigeminute für die 300.000 Euthanasieopfer des Naziterrors lärmten und grölten sie. „Sie haben nicht einmal Respekt vor den unschuldigen Opfern des Naziterrors. Herr, erbarme dich ihrer und der Opfer von Gewalt und Terror auf der ganzen Welt“, dachte und betete ich.
Pfarrer Nehlsen hielt den Abschlussgottesdienst
Während des gesamten Marsches wurden wir ständig attackiert. Die vielen „Fuck you“- Plakate und Stinkefinger, die uns entgegengereckt wurden, waren nicht mehr zu zählen. Meine Frau und ich waren durch die Erfahrungen des Vorjahrs vorbereitet und versuchten dagegen anzulächeln. „Jesus ist nicht nur für meine Sünden gestorben, sondern auch für diese unglücklichen und verlorenen Menschen, die den Schweigemarsch zum Stoppen bringen wollen“, sagte ich mir immer wieder, denn soviel Intoleranz und Menschenverachtung zu erleben wie bei diesen Gegendemonstranten war schon erschreckend.
„Heil Satan! Weg mit den Scheiß-Kreuzen! Jesus raus aus euren Köpfen!“, brüllten sie immer wieder. Meiner Frau entrissen sie ein Plakat und zerfetzten es. Neu in diesem Jahr war, dass sie auch mit Farbbeuteln attackierten. Ich hatte Glück! Der Mann neben mir wurde mit blauem Farbpulver bestäubt, ebenso ein Bundestagsabgeordneter. Mir kippte eine junge Frau nur eine Tüte Konfetti über den Kopf. Ich ging auf sie zu und sagte: „Sie haben mir gerade etwas geschenkt. Darf ich Ihnen auch etwas schenken?“ Ich versuchte, ihr einen Einkaufschip mit der Aufschrift „Unendlich geliebt“ in die Hand zu drücken. Er wies auf die Blogseite einer ehemaligen Punkerin hin. Sie warf diesen Chip sofort weit weg, als hätte ich ihr ein tödliches Gift verabreicht.
Wer diesen Marsch miterlebt hat, weiß jetzt, wie es um die Toleranz und Achtung der Menschenwürde in unserem Land steht, und er ist der Polizei zutiefst dankbar, dass sie uns geschützt hat. Deshalb werden wir im nächsten Jahr wieder mitmarschieren. Wir Christen dürfen uns nicht mehr in den Kirchen verstecken. Wir müssen raus auf die Straßen und öffentlich für das „Ja zum Leben“ eintreten, für Menschenwürde, Liebe und Toleranz. Vielleicht sind wir dann im nächsten Jahr schon 10.000.
Gerhard Lenz


Nachtrag: Auf Youtube ist ein ziemlich gutes Video über den diesjährigen Marsch zu finden. Das Besondere daran ist, dass es von jungen Polen produziert wurde. https://www.youtube.com/watch?v=ZA6gFDpvzeEErst aus der Perspektive dieser Filmemacher fällt auf, vor welchen bedeutenden historischen Kulissen der Marsch sich bewegte:
Wir zogen am Reichstag vorbei, am Brandenburger Tor, am Holocaust-Denkmal, am Gelände der damaligen neuen Reichskanzlei, in deren Garten der "Führerbunker" stand, in dem Hitler sein armes Leben beendete. Genau dort, wo der furchtbare 2. Weltkrieg zu Ende ging, wo Nazi-Deutschland endgültig niedergekämpft wurde, das für so furchtbare Verbrechen verantwortlich war, ziehen heute junge Polen, Deutsche und Bürger aus anderen europäischen Ländern entlang, um gegen das furchtbare Verbrechen der Gegenwart, nämlich die massenhaften Abtreibungen, ein Zeichen zu setzen. Und dort erfahren sie den Hass, den Hohn, die Aggressivität, die Intoleranz einiger junger Wirrköpfe, die aus der Geschichte nichts gelernt haben:



Und hier die Fürbitten vom ökumenischen Abschlussgottesdienst der "Fundamentalisten":

Wenn das "christlicher Fundamentalismus" ist, bin ich gern Fundamentalist! :-)

Kommentare:

Wolfgang Schmidt hat gesagt…

Gott segne Euch für Euren Einsatz und Euer Bemühen dem Hass mit Liebe zu begegnen!

Bernice hat gesagt…

Sehr gut geschrieben. Danke!