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Samstag, 16. August 2014

Der helle Wahnsinn: 100-Meilen-Lauf!

Heute traute ich auf meiner morgendlichen Laufrunde meinen Augen nicht: Auf dem Berliner Mauerweg kamen mir viel mehr Läufer als sonst entgegen. Schien ein Volkslauf zu sein. Allerdings waren die meisten langsamer als ich im Training unterwegs. Ich versuchte zu entziffern, was über ihren Startnummern stand. Eine „100“ konnte ich erkennen. Ob die 100 km laufen? Das wäre ja Irrsinn! Doch einige von ihnen trugen ein Laufshirt mit der Aufschrift „Niemand hat die Absicht, 100 Meilen zu laufen!“
Hier wurde Peter Fechter ermordet (Zimmerstr.)
Der Spruch erinnerte mich an den damaligen DDR-Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht, der im Juni 1961 Journalisten angelogen hatte: „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!“ Und dann wurde sie am 13. August 1961 doch errichtet. Zum Glück ist das schon 53 Jahre her und die Mauer ist wie ein böser Spuk verschwunden.
Moment mal! 100 Meilen? Heißt das, die wollen mehr als 160 km laufen? Ich fragte einen der begleitenden Radfahrer, der gerade kurz gestoppt hatte. Er bestätigte die lange Distanz dieses Ultramarathonlaufes. Mit jedem Läufer, der mir entgegenkam, wuchs mein Respekt und ich grüßte sie mit einem Lächeln und einem erhobenen Daumen. Und das Wunder geschah: Durch diese Geste hellten sich ihre zum Teil angestrengt wirkenden Gesichter auf und sie lächelten zurück! Schon lange haben mich nicht mehr so viele Männer und Frauen angelächelt wie an diesem Morgen auf dem Mauerweg! Das beflügelte mich ebenfalls und so wurden aus meinen geplanten 10 km insgesamt 15,3 km. :-)
Während ich weiterlief, kam mir ein Vers aus der Laudes (dem Stundengebet der kath. Kirche) von heute in den Sinn: Wir Christen sollen als Lichter in dieser Welt leuchten (Philemon 2, 14/15). Nicht nur predigen und schon gar nicht die Menschen mit moralinsauren Vorschriften bombardieren, sondern uns von Christus lieben lassen und seine Liebe weiterschenken. Eigentlich ganz einfach und doch manchmal so schwer!
Doch zurück zum 100-Meilen-Lauf: Auch wenn ich nie an solch einer langen Distanz teilnehmen werde (höchstens auf dem Rad :-)), gefallen mir diese Volksläufe. Sie sind für mich wie ein Abbild unseres Lebens. Es kommt nicht darauf an, als erster ins Ziel zu kommen, sondern überhaupt das Ziel zu erreichen und seinen inneren Schweinehund dabei zu besiegen.
Was ist das Ziel unseres Lebens? Uns etwas leisten zu können, eine gute Altersvorsorge zu haben, gesund zu bleiben? Alles erstrebenswert, aber zu wenig. Schon morgen können all diese Ziele durch ein unvorhergesehenes Ereignis zunichte sein. Mein Ziel ist in der Bibel beschrieben: „Mit aller Kraft laufe ich darauf zu, um den Siegespreis zu gewinnen, das Leben in Gottes Herrlichkeit. Denn dazu hat uns Gott durch Jesus Christus berufen“ (Philipperbrief 3:14 HFA).
So ein Lauf kann ganz schön anstrengend sein und wir geraten oft in Gefahr, das Ziel aus den Augen zu verlieren oder aufgeben zu wollen. Wir Christen auf unserem Lebenslauf auch. Deshalb sollten wir uns immer wieder untereinander ermutigen und stützen. Das machen die Sportler auch.
Wenn du Ermutigung brauchst oder überhaupt nicht mehr weiter weißt, kannst du dich an unser E-Mail-Team wenden. Sie stehen dir (auch vertraulich) zur Seite.
Gerhard Lenz (für Gott in Berlin)
100-Meilen-Lauf: Jedes Jahr am Wochenende nach dem 13. August auf dem Berliner Mauerweg.

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