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Donnerstag, 20. Februar 2014

Geistliche Armut im Westen

Kürzlich schwelgte ich wieder einmal ich in Erinnerungen und blätterte im Gemeindeblatt meiner früheren Gemeinde „Maria Frieden“. Im Juni 1978 hatte ich in diesem Blättchen ein Interview mit Mutter Teresa veröffentlicht. Es hat nichts von seiner Aktualität verloren. Deshalb möchte ich einige Auszüge davon hier wiedergeben:
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Mutter Teresa von Kalkutta ist auf der ganzen Welt durch ihre Arbeit mit den Notleidenden bekannt. Ihre Freunde sind die Hungrigen, die Sterbenden und die Armen.
Diese sanfte Frau aus Mazedonien hat in ihrem Leben mehr Armut und Elend gesehen als irgend jemand von uns. Sie wurde mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Wer sie in ihrem bescheidenen Heim im Elendsviertel von Kalkutta aufsucht, ist erstaunt, dass sie voll großem Mitleid von dem in „Armut verstrickten Westen“ spricht.
„Die geistliche Armut in der westlichen Welt ist viel größer als die physische Armut unseres Volkes“, sagt sie. „Ihr im Westen habt Millionen von Menschen, die unter furchtbarer Einsamkeit und Leere leiden. Sie fühlen sich nicht geliebt und unerwünscht. Diese Menschen hier sind zwar hungrig in physischer Hinsicht, aber sie sind es in einem ganz anderen Sinne. Sie wissen, dass sie mehr brauchen als Geld, aber sie wissen nicht, was es ist. Was sie tatsächlich vermissen, ist eine wirkliche Gemeinschaft mit Gott.“
Mutter Teresa erzählt von einem Fall in Australien, wo eine Frau in ihrem Heim ganz allein starb. Sie lag wochenlang tot in ihrer Wohnung, bevor sie gefunden wurde. „Für mich ist ein Land, wo so etwas passieren kann, das ärmste, das es gibt.“
„Die vielen Millionen armen Menschen in der dritten Welt sollten dem reichen Westen eine Lektion erteilen“, sagt sie, während ihre Augen freundlich lächeln, „sie sollten uns Zufriedenheit lehren. Das ist etwas, was im Westen fast verloren gegangen ist.“
Mutter Teresa spricht auch über ihren Kampf gegen die Abtreibung in Kalkutta: „Wir kämpfen dagegen durch Adoption. Wir haben es überall bekanntgegeben, das Leben der Babys nicht zu zerstören, sondern sie zu uns zu senden. Wir bringen sie dann zu Familien, die Kinder wünschen.“
Mutter Teresa hat harte Worte für die Abtreibung: „Das Leben ist eine Gabe Gottes, und wer maßt sich das Recht an, es zu zerstören? Ich glaube, dass gerade die Abtreibung der Grund ist, warum heute in der Welt so viel Elend ist. Die Menschen haben aufgehört, Gott zu lieben. Sie glauben, ohne ihn auszukommen.“
Als sie nach ihrem Alter gefragt wird, sagt sie: „Ich werde jetzt langsam alt, nicht wahr? Aber es ist etwas Wunderbares, alle diese Jahre dem Herrn weihen zu dürfen.“

Mutter Teresa starb am 5. September 1997 in Kalkutta in Indien. Am 19. Oktober 2003 wurde sie selig gesprochen. Ihre Biographie findest du im Ökumenischen Heiligenlexikon.

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