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Montag, 29. Dezember 2014

Vorsätze für 2015

Das Jahr neigt sich seinem Ende zu und wieder sind die Zeitungen voll mit guten Vorsätzen für das neue Jahr. Gern erteilt man anderen dabei Ratschläge, was sie ändern sollten, z. B. Merkel und Gabriel, den Gut- und Wutbürgern.
Ein guter Vorsatz für 2015
In einer repräsentativen Umfrage hat das Institut Forsa die Deutschen befragt, was sie sich für 2015 vornehmen. Hier die Top Ten ihrer guten Vorsätze:
1.) Stress vermeiden oder abbauen (60 Prozent)
2.) Mehr Zeit für Familie & Freunde (55 Prozent)
3.) Mehr bewegen, Sport machen (55 Prozent)
4.) Mehr Zeit für sich selbst nehmen (48 Prozent)
5.) Gesünder ernähren (48 Prozent)
6.) Abnehmen (34 Prozent)
7.) Sparsamer leben (28 Prozent)
8.) Weniger fernsehen (15 Prozent)
9.) Weniger Handy, Computer, Internet nutzen (15 Prozent)
10.) Weniger Alkohol trinken (12 Prozent)
Etwas Entscheidendes fehlt mir bei diesen guten Vorsätzen: Die Beziehung zu Gott zu vertiefen oder in der Nächstenliebe zu wachsen, das scheint vielen Menschen in unserem Land nicht mehr wichtig zu sein.
Vor einem Jahr fragte ich hier im Blog: „Habt ihr gute Vorsätze für 2014? Ich kaum noch. Im 64. Lebensjahr sind es ohnehin immer dieselben Vorsätze, die man sich vom vorigen Jahr in Erinnerung ruft, um dann festzustellen, dass man nach kurzer Zeit doch wieder in die alten Gewohnheiten zurückgefallen ist.“
Dennoch habe ich mir für dieses Jahr wieder etwas vorgenommen:
1. Die Beziehung zu Gott zu vertiefen, um in der Liebe zu wachsen.
2. Das Jahr mit einem leeren Glas zu starten (wie in der obenstehenden Grafik vorgeschlagen wird), um mich am Jahresende daran zu erinnern, was für gute Dinge Gott im vergangenen Jahr getan hat.
Was nimmst du dir für 2015 vor? Wie vertiefst du deine Freundschaft mit Gott?
Gerhard Lenz (für Gott in Berlin)

Sonntag, 28. Dezember 2014

Komisch

Komisch, dass 50 Euro nach so viel aussehen, wenn man sie der Kirche spendet, aber so wenig sind, wenn man damit einkaufen will.
Komisch, wie lange es dauert, Gott für eine Stunde zu dienen, aber wie schnell 60 Minuten mit Freunden vergehen.
Die meisten menschen sorgen nicht für die Ewigkeit vor.
Die meisten Menschen sorgen
nicht für die Ewigkeit vor.
Komisch, wie lange ein paar Stunden in der Kirche sind und wie kurz sie sind, wenn man ein Video schaut.
Komisch, wenn uns nichts einfällt, was wir beten können, aber wir unserem Freund immer etwas zu erzählen haben.
Komisch, wie spannend es ist, wenn es im Fußball in die Nachspielzeit geht und wie wir auf die Uhr schauen, wenn der Gottesdienst länger dauert als sonst.
Komisch, wie schwer es ist, ein Kapitel der Bibel zu lesen, aber wie leicht es ist, 100 Seiten eines Bestsellerromans zu verschlingen.
Komisch, wie sich die Leute auf einem Konzert oder bei einem Spiel um die vordersten Plätze bemühen und sich um einen der hintersten Plätze in der Kirche drängeln.
Komisch, dass wir 2 oder 3 Wochen Vorwarnung brauchen, um ein kirchliches Ereignis in unseren Plan zu bringen, ihn für andere Ereignisse aber im letzten Augenblick umändern können.
Komisch, wie schwer es für Leute ist, die Gute Nachricht weiterzugeben, aber wie leicht es ist, den neuesten Klatsch und Tratsch zu verbreiten.
Komisch, wie wir der Zeitung glauben, aber in Frage stellen, was die Bibel sagt.
Komisch, wie sich Witze im Internet verbreiten, aber wenn man anfängt, Nachrichten, die Gott verherrlichen, zu versenden, denken die Leute zweimal nach, ob sie die weiterschicken.
Komisch - oder? Lachst du? Denkst du nach?
Verbreite die Gute Nachricht und gib Gott die Ehre!
Komisch, wie viele auf deiner Adressliste die Mail nicht erhalten, weil du dir nicht sicher bist, dass sie an irgendetwas glauben?
Komisch? Traurig.
Trau dich!
(Autor: unbekannt)

Dienstag, 23. Dezember 2014

Wir trauern um Udo Jürgens

Nie werde ich vergessen, wie ich einige Wochen vor unserem 30. Hochzeitstag im Internet suchte, um meiner Frau mit einem ganz besonderen Geschenk für die vielen Jahre zu danken, die sie es schon mit mir ausgehalten hatte. „Wenn Udo nach Berlin käme, das wäre der Hammer“, dachte ich, aber es war sehr unwahrscheinlich, dass er ausgerechnet an einem Montag ein Konzert in Berlin geben würde. Ich traute meinen Augen nicht: Er trat tatsächlich am 23.10. 2006 in Berlin auf und es gab sogar noch einige Karten.
15.11.2014: Udo Jürgens letztes Konzert in Berlin
Seit dieser Zeit waren wir jedes Mal dabei, wenn er hier wieder ein neues Konzert gab, konnte man doch bei einem über 70-jährigen Künstler nicht wissen, wie lange er das noch machen kann. Seine Lieder hatten uns seit mehr als 50 Jahren durch unser Leben begleitet, hatten uns Freude, Hoffnung und Lebensmut vermittelt („Immer wieder geht die Sonne auf, denn Dunkelheit für immer gibt es nicht...“). Udo war fast schon so etwas wie ein Familienmitglied bei uns geworden.
Udo Jürgens Bademantelzugabe 15.11.2014 O2-World, Berlin
Seine legendäre Bademantelzugabe
Umso größer war der Schock, als am vergangenen Sonntag plötzlich die Eilmeldung auf meinem iPad angezeigt wurde: „Udo Jürgens an Herzversagen gestorben.“ Ich konnte es kaum glauben, hatten wir doch den 80-jährigen Sänger noch im November drei Stunden live bei seinem begeisternden Konzert in der O2-World erlebt. Mit stehenden Ovationen feierten ihn die Berliner und er trug jedes Lied mit einer Hingabe und Leidenschaft vor, als ob er es zum ersten (oder zum letzten) Mal sänge. Er wirkte dabei so jung und frisch, als sei er in den letzten Jahren gar nicht gealtert.
Am 21.12.2014 hat Udo Jürgens die Bühne des Lebens für immer verlassen
Am 21.12.2014 hat Udo Jürgens
die Bühne des Lebens für immer verlassen
„Mitten im Leben“, lautete der Titel seines letzten Albums und seiner letzten Tournee und doch war er schon vom Tod umfangen. Ausgerechnet in dem Ort „Gottlieben“ wurde er von seinem Schöpfer heimgerufen, an den er vielleicht nicht geglaubt hat, der ihn aber trotzdem liebt.
2001 hat Udo auf die Frage nach seinem Glauben geantwortet: „Ich glaube nicht, dass es einen Gott gibt, der die Erde beschützt. Nehmen Sie den aktuellen Fall der ermordeten Ulrike: Wenn es einen barmherzigen Gott gibt, dann lässt er ein Kind nicht so sterben. Der Beschützer existiert nicht. Wir müssen selbst auf uns aufpassen und auf unsere Kinder. Es gibt auch keine wirkliche Gerechtigkeit.“
Da bin ich anderer Meinung als Udo. Auch wenn in unserer Welt schreckliche Dinge geschehen, will Gott uns durch alle Schwierigkeiten hindurchführen und wird alles einmal – auch unser Scheitern, unser Versagen, unsere Sündhaftigkeit - zu einem guten Ende führen. Deshalb hat er uns den Erlöser Jesus geschenkt, dessen Geburt wir in diesen Tagen feiern.
Ja, auch Udo war nicht frei von Schuld. Seine Frauengeschichten füllten die Klatschspalten der Boulevardblätter. Und wer ohne Sünde ist – wie offenbar einige christliche Internetseiten - mag den ersten Stein auf ihn werfen. Doch in den letzten Jahren wurde er lebensweiser und demütiger. Er schaute sich nicht einmal die Show zu seinem 80. Geburtstag im Fernsehen an, um nicht die „Bodenhaftung“ zu verlieren, denn er sei doch immer noch voller Fehler, bekannte er. Oder wie er es in einem seiner Lieder ausdrückte:
„Nichts, gar nichts darf im Leben selbstverständlich scheinen, es wird uns frei geschenkt, ich nehm's in Demut an und bin nur dann mit mir und aller Welt im Reinen, wenn ich auch ander'n davon weitergeben kann.“
Er hat uns viel mit seiner Musik gegeben und auch uns Christen oft an unseren Auftrag erinnert („Bring’ Licht ins Dunkel“) oder den Spiegel vorgehalten, wie in der Symphonie „Die Krone der Schöpfung“. Er wird deshalb von unserem Gott der Liebe Barmherzigkeit erfahren – davon bin ich überzeugt. Von einem seiner weniger bekannten Songs dokumentiere ich hier den Text, der zu meinen Lieblingsliedern von Udo gehört.
Gerhard Lenz (für Gott in Berlin
IST DAS NICHTS? (Udo Jürgens, 1979)
Du bist jung und du sagst, es gibt nichts, was dich hält.
Da wär' nichts, was sich lohnen könnt', in deiner Welt.
Und du sagst, du siehst wirklich in nichts einen Sinn.
Und dann wirfst du alles hin...

Ist das nichts, dass du suchst, dass du zweifelst und fragst?
Ist das nichts, dass du traurig warst und wieder lachst?
Ist das nichts, dass du sagen kannst: "Ich esse mich satt.".
Während irgendwo jemand kein Reiskorn mehr hat.

Ist das nichts, dass du helfen kannst, wenn du nur willst?
Ist das nichts, dass du Sehnsucht nach irgendwas fühlst,
Dass du lebst, wo die Freiheit ein Wort nicht nur ist.
Ist das nichts? Ist das nichts? Ist das wirklich nichts?
Hör' mir zu, meinst du nicht, du es wär' endlich Zeit,
Für ein wenig Dankbarkeit?

Du verkriechst dich und sagst, du siehst nirgends' ein Ziel.
Schau dich um auf der Welt, auf dich wartet so viel.
Es gibt Menschen, die würden gern tauschen mit dir.
Es liegt sehr viel auch an dir.

Ist das nichts, dass du weißt, wo du schläfst heute Nacht?
Ist das nichts, wenn ich sag': „Ich hab' an dich gedacht.“?
Ist das nichts, wenn du ahnst, dass es irgendwen gibt,
An den du zwar nicht glaubst und der trotzdem dich liebt?
Ist das nichts, dieser Sonnenstrahl auf deiner Haut?
Ist das nichts, dass ein Mensch dir verzeiht und vertraut?

Ja, du lebst, wo die Freiheit ein Wort nicht nur ist.
Ist das nichts? Ist das nichts? Ist das wirklich nichts?
Hör' mir zu, meinst du nicht, du es wär' endlich Zeit,
Für ein wenig Dankbarkeit?


Die Symphonie "Krone der Schöpfung" hat Udo Jürgens einmal als eines seiner besten Werke bezeichnet.

Freitag, 3. Oktober 2014

Weihbischof Weider: Für das Lebensrecht eintreten!

Am 3. Oktober 2014 trafen sich ca. 300 Christen zu einer ökumenischen Dankandacht für 24 Jahre deutsche Einheit vor der Versöhnungskapelle in der Bernauer Straße. Die Predigt hielt Weihbischof Wolfgang Weider vom Erzbistum Berlin. Er erzählte, wie er vor 51 Jahren als junger Priester eine befristete Genehmigung von der Ost-Berliner Polizei brauchte, um Gemeindemitglieder in der Bernauer Straße direkt an der Grenze  besuchen zu dürfen.

Dort hatte er sich mit seinem nach West-Berlin geflüchteten Bruder verabredet, der ihn von der Westseite her anschaute. Winken war verboten, denn sonst hätte man sich verdächtig gemacht. Die Brüder schauten sich nur eine Weile an und dem jungen Priester Weider wurde dabei bewusst, dass dämonische Mächte eine Stadt, ein ganzes Land auseinandergerissen hatten. So erlebte er die Ohnmacht derer, die nicht zusammenkommen konnten, obwohl sie zusammengehörten. Solche Mächte - sagte der Weihbischof - seien auch heute noch am Wirken in der Ukraine, in Syrien, im Irak, in Palästina.

Er habe sich zwar oft gefragt, ob die Mauer einmal fallen würde, habe es aber nicht mehr geglaubt, dass er es erleben werde. Es schien in unendlicher Ferne und plötzlich war sie über Nacht weg ohne Blutvergießen. Der 9. November 1989 zeigte, wie sich der Traum eines ganzen Volkes erfüllte: "Wir fielen uns in die Arme und spürten, dass wir trotz der langen Trennung Brüder und Schwestern waren."

Wir haben uns in den vergangenen Jahren an dieses große Geschenk gewöhnt, betonte der Weihbischof, als sei dies etwas Selbstverständliches, aber es sei alles andere als selbstverständlich: "Wir müssen uns immer wieder an die gütige Hand Gottes erinnern, der uns herausgerissen hat aus aller Ausweglosigkeit und Verzweiflung, in die uns die Diktatur der roten Machthaber geführt hatte." Und deshalb würden wir heute über die Grenzen hinweg als die Kinder des einen Vaters zusammenkommen, dem wir das Wunder zu verdanken hätten. Wir haben zu danken, zu feiern und zu beten, denn wir seien beschenkt mit der Freiheit und geborgen in der Hand Gottes, dessen Allmacht wir erlebt hätten.

Missbrauch der Freiheit

Diese Freiheit könne aber auch missbraucht werden. Der Weihbischof verwies auf den "Marsch für das Leben", der hier vor kurzem durch Berlin geführt hatte. Auch ungeborene Kinder, von denen 100.000 in einem Jahr durch Abtreibung getötet würden, besäßen schon eine menschliche Würde. Deshalb hätte sich Papst Franziskus in einem eigenen Schreiben mit den Teilnehmern dieses Marsches solidarisch erklärt. Der Marsch hätte aber auch hasserfüllte Gegendemonstranten gefunden, die "erstaunliche Unterstützer selbst in den höchsten Kreisen der etablierten Parteien fanden". Diese "fanatisierten Verfechter für das Recht auf Tötung ungeborener Kinder haben sich zu massiven Beschädigungen der Kirchenfassade und des Pfarrsaals der Herz-Jesu-Pfarrei in Berlin-Mitte hinreißen lassen, wo der Bundesverband Lebensrecht seinen Sitz hat". Für diesen Missbrauch habe uns Gott die Freiheit nicht geschenkt!

Der Dank für die wiedererlangte Freiheit nach der Wende - betonte Weihbischof Weider - wäre unglaubwürdig, wenn wir nicht "mit aller Entschiedenheit für das Lebensrecht der noch nicht Geborenen und der noch nicht Gestorbenen" einträten.

Die Hand Gottes festhalten

Der "Tag der Deutschen Einheit" - so der Weihbischof - sei aber auch ein frohes Fest, weil er uns die Augen für den Reichtum der jeweils anderen Seite geöffnet habe. Wir müssten uns gegenseitig respektieren, aber auch korrigieren, Beziehungen pflegen und weiter gut zusammenwachsen. Wir seien behütet von Gottes guter Hand. Das verpflichte uns, diese Hand nicht mehr loszulassen und uns immer neu an ihm zu orientieren. Nur so bleiben wir in den Bedrohungen dieser Welt, die auch wieder über unsere Stadt kommen könnten, geborgen. 

Wir sollten uns gegenseitig mit Respekt begegnen: über alle Konfessionen und Religionen hinweg! Heute suchen Flüchtlinge aus den Krisenregionen der Welt auch in unserer Stadt eine neue Heimat. Sie brauchen materielle und menschliche Hilfe, um überleben zu können: "Wir dürfen sie nicht abweisen!" 

Schließlich sei uns Christen auch aufgetragen, die "Familien als kostbarsten und bewährten Hort der Geborgenheit" zu bewahren - gegen alle bedrängenden Einflüsse unserer Zeit, die die vorrangige Bedeutung von Mann und Frau, von Vater und Mutter relativieren möchte. Wir müssten unsere Verantwortung wahrnehmen, die christlichen Grundwerte unserer Gesellschaft zu retten, um das Glück unseres ganzen Volkes zu erhalten.

Gerhard Lenz

Wir haben Gott für das Wunder der Einheit gedankt und für die vom Krieg zerrissene Ukraine und die verfolgten Christen und Minderheiten im Irak und Syrien gebetet.

Sonntag, 21. September 2014

Marsch für das Leben 2014: Rassismus?

Sich zu „outen“ ist heutzutage gesellschaftlich angesagt. Also „oute“ ich mich auch. Ja, meine Frau und ich haben es schon wieder getan! Wir haben uns gestern erneut in der „Gruseligen Allianz der Vorgestrigen“ (Berliner Kurier) eingereiht. Für den grünen Politiker Volker Beck ging es uns dabei um „Bevölkerungspolitik, Macht & Rassismus, aber nicht um das Leben“. Heutzutage ist man also ein Rassist, christlicher Fundamentalist, neuer Rechter oder extrem konservativer AFDler, wenn man sich beim „Marsch für das Leben“ für das unbedingte Recht auf Leben als oberstes Menschenrecht einsetzt.
Deshalb sei hier einmal kurz daran erinnert, was in unserem Grundgesetz dazu steht:
·       Artikel 1: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“
·       Artikel 2: „Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit.“
"Marsch für das Leben" 2014
Die meisten Menschen in unserem Land wissen, dass diese Rechte immer mehr ausgehöhlt werden. Mehr als 100.000 ungeborene Kinder werden Jahr für Jahr abgetrieben, Beihilfe zur Selbsttötung und Euthanasie werden unter dem Deckmantel der „Barmherzigkeit“ vorangetrieben. So etwas darf zumindest uns Christen nicht gleichgültig sein. Deshalb rief der „Bundesverband Lebensrecht e.V.“ dazu auf, „gemeinsam für ein Europa ohne Abtreibung und Euthanasie einzutreten. Dazu ist auf allen Ebenen ein Umdenken zugunsten von ungeborenen, kranken und alten Menschen erforderlich. Nur so ist allen Menschen ein Leben in Selbstbestimmung, Freiheit und Würde möglich“.
Selbsttötung verhindern, nicht fördern!
Eigentlich – so sollte man meinen - müssten sich alle Menschen und Politiker über einen solchen Marsch freuen! Doch das Gegenteil ist der Fall. Der jährliche Aufmarsch der Lebensschützer ist unserer hedonistischen Gesellschaft zunehmend ein Stachel im Fleisch. Sogar im Bundestag wütet DIE LINKE jetzt schon dagegen und stellte den Gegendemonstranten erhebliche finanzielle Mittel zur Verfügung, damit sie diesen Marsch wie in jedem Jahr kräftig stören konnten.
Ja, der 8 km lange Schweigemarsch vom Bundeskanzleramt bis zum Berliner Dom war kein Spaziergang, sondern eher ein Spießrutenlaufen. Ständig wurden uns die Ohren mit Trommellärm, Pfeifen und hasserfüllten Parolen zugebrüllt. Sogar während der Schweigeminute für die 300.000 Euthanasieopfer des Naziterrors lärmten und grölten sie. „Sie haben nicht einmal Respekt vor den unschuldigen Opfern des Naziterrors. Herr, erbarme dich ihrer und der Opfer von Gewalt und Terror auf der ganzen Welt“, dachte und betete ich.
Pfarrer Nehlsen hielt den Abschlussgottesdienst
Während des gesamten Marsches wurden wir ständig attackiert. Die vielen „Fuck you“- Plakate und Stinkefinger, die uns entgegengereckt wurden, waren nicht mehr zu zählen. Meine Frau und ich waren durch die Erfahrungen des Vorjahrs vorbereitet und versuchten dagegen anzulächeln. „Jesus ist nicht nur für meine Sünden gestorben, sondern auch für diese unglücklichen und verlorenen Menschen, die den Schweigemarsch zum Stoppen bringen wollen“, sagte ich mir immer wieder, denn soviel Intoleranz und Menschenverachtung zu erleben wie bei diesen Gegendemonstranten war schon erschreckend.
„Heil Satan! Weg mit den Scheiß-Kreuzen! Jesus raus aus euren Köpfen!“, brüllten sie immer wieder. Meiner Frau entrissen sie ein Plakat und zerfetzten es. Neu in diesem Jahr war, dass sie auch mit Farbbeuteln attackierten. Ich hatte Glück! Der Mann neben mir wurde mit blauem Farbpulver bestäubt, ebenso ein Bundestagsabgeordneter. Mir kippte eine junge Frau nur eine Tüte Konfetti über den Kopf. Ich ging auf sie zu und sagte: „Sie haben mir gerade etwas geschenkt. Darf ich Ihnen auch etwas schenken?“ Ich versuchte, ihr einen Einkaufschip mit der Aufschrift „Unendlich geliebt“ in die Hand zu drücken. Er wies auf die Blogseite einer ehemaligen Punkerin hin. Sie warf diesen Chip sofort weit weg, als hätte ich ihr ein tödliches Gift verabreicht.
Wer diesen Marsch miterlebt hat, weiß jetzt, wie es um die Toleranz und Achtung der Menschenwürde in unserem Land steht, und er ist der Polizei zutiefst dankbar, dass sie uns geschützt hat. Deshalb werden wir im nächsten Jahr wieder mitmarschieren. Wir Christen dürfen uns nicht mehr in den Kirchen verstecken. Wir müssen raus auf die Straßen und öffentlich für das „Ja zum Leben“ eintreten, für Menschenwürde, Liebe und Toleranz. Vielleicht sind wir dann im nächsten Jahr schon 10.000.
Gerhard Lenz


Nachtrag: Auf Youtube ist ein ziemlich gutes Video über den diesjährigen Marsch zu finden. Das Besondere daran ist, dass es von jungen Polen produziert wurde. https://www.youtube.com/watch?v=ZA6gFDpvzeEErst aus der Perspektive dieser Filmemacher fällt auf, vor welchen bedeutenden historischen Kulissen der Marsch sich bewegte:
Wir zogen am Reichstag vorbei, am Brandenburger Tor, am Holocaust-Denkmal, am Gelände der damaligen neuen Reichskanzlei, in deren Garten der "Führerbunker" stand, in dem Hitler sein armes Leben beendete. Genau dort, wo der furchtbare 2. Weltkrieg zu Ende ging, wo Nazi-Deutschland endgültig niedergekämpft wurde, das für so furchtbare Verbrechen verantwortlich war, ziehen heute junge Polen, Deutsche und Bürger aus anderen europäischen Ländern entlang, um gegen das furchtbare Verbrechen der Gegenwart, nämlich die massenhaften Abtreibungen, ein Zeichen zu setzen. Und dort erfahren sie den Hass, den Hohn, die Aggressivität, die Intoleranz einiger junger Wirrköpfe, die aus der Geschichte nichts gelernt haben:



Und hier die Fürbitten vom ökumenischen Abschlussgottesdienst der "Fundamentalisten":

Wenn das "christlicher Fundamentalismus" ist, bin ich gern Fundamentalist! :-)

Montag, 8. September 2014

Neun Dinge für ein erfülltes Leben

Neun Dinge für ein ausgefülltes Leben:
Diese neun Punkte fand ich kürzlich in meinem Hotelzimmer in dem Büchlein „Gute Gedanken – Gute Nacht – Guter Tag“ (Herder-Verlag). Alles Dinge, die sich wohl die meisten von uns wünschen, die in unserem Leben aber oft zu wenig vorhanden sind. Bitten wir Jesus täglich darum, durch seine Liebe so verändert zu werden, dass uns diese neun Dinge geschenkt werden:
1. Gute Gesundheit, 
die Arbeit zu einem Vergnügen macht;

2. ausreichende Mittel, um die 
Bedürfnisse zu befriedigen;
3.
 Kraft und Stärke, die uns helfen,
 Schwierigkeiten zu besiegen 
und sie zu überwinden;

4. Anstand genug, die eigenen Sünden
 zu beichten und sie aufzugeben;

5. Geduld und Ausdauer genug,
 bis das Ziel erreicht ist;
6.
 genug Nächstenliebe, um das Gute
 in deinen Mitmenschen zu sehen;
7.
 genug Liebe, die dich anleiten wird, 
anderen zu helfen und ihnen zur Seite zu stehen;

8. genug Glaube, um die Worte Gottes
 Wirklichkeit werden zu lassen;
9.
 genug Hoffnung, um alle Sorgen
 und Ängste vor der Zukunft abzulegen.
( J.W. von Goethe)
Wenn die Menschen doch beten würden!
Jesus sagt: „Bittet, dann wird euch gegeben; sucht, dann werdet ihr finden; klopft an, dann wird euch geöffnet. Denn wer bittet, der empfängt; wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird geöffnet. Oder ist einer unter euch, der seinem Sohn einen Stein gibt, wenn er um Brot bittet, oder eine Schlange, wenn er um einen Fisch bittet? Wenn nun schon ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gebt, was gut ist, wie viel mehr wird euer Vater im Himmel denen Gutes geben, die ihn bitten“ (Matthäus 7, 7-11).
Gerhard Lenz  (für "Gott in Berlin")

Sonntag, 7. September 2014

Dieser Tag eine Gabe Gottes für dich!

Dieser Tag ist eine Gabe und Aufgabe Gottes für dich
·      Gott will aus diesem Tag für dich einen besonderen Tag machen.
·      Du wirst so viel Freude erleben, wie du vertragen kannst,
·      und gerade so viel Belastung zu tragen haben, wie du nötig hast.
·      Es wird dir an nichts mangeln, was heute für dein Leben gut ist.
·      Unter der Führung von Jesus kann dir heute niemand und nichts schaden!
·      Niemand und nichts kann dich heute trennen von der Liebe Gottes!
·      Gott hat die Menschen ausgesucht, die heute an dir eine Aufgabe haben.
·      Fange diesen Tag mit Danken an und sei den ganzen Tag aufmerksam, Dinge zu entdecken, für die du Gott danken kannst.
·      Wen kannst du heute mit einer Freundlichkeit überraschen/segnen?
·      Wen kannst du heute mit einer Mail oder einem Gruß erfreuen?
·      Wem kannst du heute ein Wort oder einen Gedanken weitergeben, der dir wichtig wurde?
·      Gibt dir ein Gedenktag heute Anlass, einen Einsamen oder einen Menschen, der in einer schwierigen Lebenssituation ist, zu erfreuen?
·      Achte auf Menschen und Dinge, die Gott dir heute besonders wichtig macht!
·      Mache aus jedem Erinnertwerden an Menschen und Verhältnisse ein Gebet!
·      Lege alles Erleben gleich in Gottes Hände zurück!
·      Vertraue Gott in allen Dingen!
·      Glaubensloses Grübeln zersplittert nur deine Kraft. Tue stattdessen etwas Aufbauendes!
·      Das Entscheidende im Leben ist: Warten auf Gottes Stunde.
·      Bleibe in der Gegenwart Gottes, damit der Widersacher, der ein Stressverursacher und Durcheinanderwerfer ist, dir heute nicht dein göttliches Segensprogramm stören kann!

(verteilt von Wilfried Franz am 5./6. September 2014 in Essen
 beim Business Transforum „Firmen und Führung nach Gottes Herz“, Quelle: unbekannt)

Suche noch heute nach Jesus Christus!
Dieser Tag ist eine Gabe und Aufgabe Gottes für dich!

Sonntag, 17. August 2014

"Kein Hass im Namen Gottes!"

Mehr als 800 deutsche und orientalische Christen haben heute in der Berliner St.-Hedwigs-Kathedrale für die verfolgten Christen und Minderheiten im Irak und in Syrien gebetet. Eingeladen hatten die Chaldäisch-Katholische Kirche, die Syrisch-Orthodoxe Kirche und die Apostolische Kirche des Ostens zusammen mit dem kath. Erzbistum Berlin.

Gebet und Solidarität für die Christen im Irak und Syrien

Der Gottesdienst wurde von dem kath. Weihbischof Matthias Heinrich gehalten. „Wo religiöse Minderheiten verfolgt werden, ist unser Gebet und unsere Solidarität nötig. Das gilt besonders für unsere verfolgten Schwestern und Brüder im Glauben, aber auch für Yeziden oder die gemäßigten Sunniten und Schiiten", so Weihbischof Heinrich. „Verfolgung und gar Tötung aufgrund einer Religionszugehörigkeit dürfen wir nicht einfach so hinnehmen.“
Schon Papst Franziskus hatte auf die verzweifelte Lage im Irak und Syrien hingewiesen: „Kinder, die an Durst und Hunger während der Flucht sterben; Frauen, die verschleppt werden; massakrierte Menschen; Gewalt jeder Art; Zerstörung des religiösen, geschichtlichen und kulturellen Erbes“. All dies „beleidigt Gott und die Menschheit schwer. Man verbreitet keinen Hass im Namen Gottes! Man führt keinen Krieg im Namen Gottes!“
Der Weihbischof verlas auch ein Grußwort von Kardinal Woelki, dem künftigen Kölner Erzbischof, der das Wüten der ISIS-Milizen als „grausam und menschenverachtend“ bezeichnete: „Glaube an Gott und Hass passen nicht zusammen. Der Glaube an Gott soll den Hass überwinden. Wo Gott wirkt, geschieht Frieden und Versöhnung.“
Die ganze Christenheit nehme Anteil am Schicksal der orientalischen Christen und müssten dies noch intensiver tun. Das erste sei das Gebet für die Opfer und Leidenden, doch zum Gebet müsse auch konkrete Hilfe kommen. Die deutsche Regierung forderte er auf, ihr „Eintreten für Menschenrechte, Religionsfreiheit und den Schutz von Minderheiten im Irak und Syrien zu intensivieren“.
Die Kirchen setzten sich für eine Aufnahme christlicher Iraker und Syrer in Deutschland ein. „Gleichermaßen möchten wir dazu beitragen, orientalischen Christen die Rückkehr in die angestammte Heimat und das Weiterleben dort zu ermöglichen und zu sichern“, so Woelki.
Nach dem Gottesdienst, in dem das Vaterunser in aramäisch (der Sprache Jesu) gebetet wurde, zogen mehrere tausend Menschen in einem Demonstrationszug zum Brandenburger Tor. Dort wies der koptische Bischof Damian darauf hin, dass die syrische Kirche eine der ältesten Kirchen der Erde sei, die heute noch die Sprache Jesu (aramäisch) spreche, doch „die Schweigsamkeit der westlichen Welt“ mache ihn regelrecht krank. Er könne nicht verstehen, wie man schweigen könne, wenn diese Kirche auf „die grausamste Art und Weise zerstört“ werde. Deshalb wende er sich an die Politiker Europas und der USA, alles Mögliche zum Schutz der Christen zu tun.
Die Christen hätten in diesen Ländern eine friedliche, konstruktive Mittelschicht gebildet, hieß es in einem Flugblatt der aramäisch sprechenden Gemeinden in Berlin: „Eine De-Christianisierung des Nahen und Mittleren Ostens und die Vertreibung und Vernichtung der Minderheiten aus diesen Regionen wird eine beispiellose weitere Destabilisierung und Radikalisierung der dortigen Gesellschaften zur Folge haben. Dies ist nicht nur eine Katastrophe für alle diese Minderheiten, sondern auch für die ganze freie Welt.“

Weitere Stimmen und Links zu dieser Aktion: Der Tagesspiegel hat berichtet, die "Berliner Abendschau" einen hervorragenden Bericht gesendet und Clemens Kurz einen kritischen Rückblick geschrieben im Blog des "Gebetskreises verfolgte Kirche".

Gerhard Lenz (für Gott in Berlin)
Die "Schweigsamkeit der westlichen Welt" mache ihn krank, erklärte Bischof Damian.

Samstag, 16. August 2014

Der helle Wahnsinn: 100-Meilen-Lauf!

Heute traute ich auf meiner morgendlichen Laufrunde meinen Augen nicht: Auf dem Berliner Mauerweg kamen mir viel mehr Läufer als sonst entgegen. Schien ein Volkslauf zu sein. Allerdings waren die meisten langsamer als ich im Training unterwegs. Ich versuchte zu entziffern, was über ihren Startnummern stand. Eine „100“ konnte ich erkennen. Ob die 100 km laufen? Das wäre ja Irrsinn! Doch einige von ihnen trugen ein Laufshirt mit der Aufschrift „Niemand hat die Absicht, 100 Meilen zu laufen!“
Hier wurde Peter Fechter ermordet (Zimmerstr.)
Der Spruch erinnerte mich an den damaligen DDR-Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht, der im Juni 1961 Journalisten angelogen hatte: „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!“ Und dann wurde sie am 13. August 1961 doch errichtet. Zum Glück ist das schon 53 Jahre her und die Mauer ist wie ein böser Spuk verschwunden.
Moment mal! 100 Meilen? Heißt das, die wollen mehr als 160 km laufen? Ich fragte einen der begleitenden Radfahrer, der gerade kurz gestoppt hatte. Er bestätigte die lange Distanz dieses Ultramarathonlaufes. Mit jedem Läufer, der mir entgegenkam, wuchs mein Respekt und ich grüßte sie mit einem Lächeln und einem erhobenen Daumen. Und das Wunder geschah: Durch diese Geste hellten sich ihre zum Teil angestrengt wirkenden Gesichter auf und sie lächelten zurück! Schon lange haben mich nicht mehr so viele Männer und Frauen angelächelt wie an diesem Morgen auf dem Mauerweg! Das beflügelte mich ebenfalls und so wurden aus meinen geplanten 10 km insgesamt 15,3 km. :-)
Während ich weiterlief, kam mir ein Vers aus der Laudes (dem Stundengebet der kath. Kirche) von heute in den Sinn: Wir Christen sollen als Lichter in dieser Welt leuchten (Philemon 2, 14/15). Nicht nur predigen und schon gar nicht die Menschen mit moralinsauren Vorschriften bombardieren, sondern uns von Christus lieben lassen und seine Liebe weiterschenken. Eigentlich ganz einfach und doch manchmal so schwer!
Doch zurück zum 100-Meilen-Lauf: Auch wenn ich nie an solch einer langen Distanz teilnehmen werde (höchstens auf dem Rad :-)), gefallen mir diese Volksläufe. Sie sind für mich wie ein Abbild unseres Lebens. Es kommt nicht darauf an, als erster ins Ziel zu kommen, sondern überhaupt das Ziel zu erreichen und seinen inneren Schweinehund dabei zu besiegen.
Was ist das Ziel unseres Lebens? Uns etwas leisten zu können, eine gute Altersvorsorge zu haben, gesund zu bleiben? Alles erstrebenswert, aber zu wenig. Schon morgen können all diese Ziele durch ein unvorhergesehenes Ereignis zunichte sein. Mein Ziel ist in der Bibel beschrieben: „Mit aller Kraft laufe ich darauf zu, um den Siegespreis zu gewinnen, das Leben in Gottes Herrlichkeit. Denn dazu hat uns Gott durch Jesus Christus berufen“ (Philipperbrief 3:14 HFA).
So ein Lauf kann ganz schön anstrengend sein und wir geraten oft in Gefahr, das Ziel aus den Augen zu verlieren oder aufgeben zu wollen. Wir Christen auf unserem Lebenslauf auch. Deshalb sollten wir uns immer wieder untereinander ermutigen und stützen. Das machen die Sportler auch.
Wenn du Ermutigung brauchst oder überhaupt nicht mehr weiter weißt, kannst du dich an unser E-Mail-Team wenden. Sie stehen dir (auch vertraulich) zur Seite.
Gerhard Lenz (für Gott in Berlin)
100-Meilen-Lauf: Jedes Jahr am Wochenende nach dem 13. August auf dem Berliner Mauerweg.

Samstag, 2. August 2014

"Grüß Gott" oder "Hallo"?

Wir sind zur Zeit wieder mal in Bayern. Eine Gegend, wie sie Gott kaum schöner schaffen konnte. Grüne Wiesen, Wälder, Seen und Berge. Alles, was man sich für einen Aktiv-Urlaub wünscht. Und auf Schritt und Tritt trifft man auf wundervolle Kirchen, kleine Kapellen oder Kreuze am Wegesrand. Alles Zeichen dafür, wie verbunden die Bayern mit ihrem Schöpfer waren und (zum Teil) noch sind.
Nicht mit dem Schwert, sondern mit dem Kreuz machte sich Christus die Erde untertan.
"Grüß Gott" oder "Hallo"?

Die Menschen begrüßen sich hier mit "Grüß Gott!“, eine verkürzte Form von "Grüße dich Gott!“ Das ist kein Befehl, sondern ein Segenswunsch und bedeutet eigentlich „Gott segne dich“.
Ähnlich ist es mit dem bayerischen Abschiedsgruß „bhüetdi' [füeti]“. Das ist die Kurzform von „Behüt dich Gott!“ Kann aber auch so viel bedeuten wie „Der Herr führe deine Wege“. Uns gefallen diese Grußformeln und wir machen sie uns im Urlaub gern zu eigen – verwenden sie aber auch (wenn es passt) in Berlin.
Dort wünschte man sich bis vor einigen Jahren gegenseitig eher einen „Guten Tag“ oder „Guten Morgen“. Auch dieser Gruß soll sich aus dem Wunsch "Gott gebe dir einen guten Tag" hergeleitet haben.
„Guten Morgen“ oder „Guten Tag“ hört man aber in Berlin und anderswo kaum noch. Es ist einem inhaltslosen „Hallo“ gewichen. Und dieses „Hallo“ geht mir gewaltig gegen den Strich, denn es sagt nichts aus. Eher macht man damit auf sich selbst aufmerksam: „Hallo, hier bin ich!“ Für mich ist dieses „Hallo“ Ausdruck einer egozentrischen Gesellschaft, die sich immer mehr von ihren christlichen Wurzeln entfernt.
Auf unserer Wanderung heute kamen uns zahlreiche Touristen entgegen. Wir schmetterten ihnen jedes Mal ein fröhliches „Grüß Gott!“ entgegen. Neun von zehn antworteten: „Hallo“. Die wenigsten haben dabei gelächelt. Mir egal. Ich werde meine Mitmenschen weiterhin mit einem Segenswunsch grüßen, auch wenn sie sich nicht bewusst sind, dass sie den Segen Gottes genauso dringend brauchen wie ich.
Gerhard Lenz für „Gott in Berlin“