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Sonntag, 21. Juli 2013

Unkraut unter Christen?


Gestern unternahm ich bei herrlichstem Sommerwetter eine Radtour rund um den Flughafen Schönefeld. Erstaunt war ich über die vielen Hallen und Bauten, die alle schon fertig sind, obwohl die Flughafeneröffnung immer noch ungewiss ist.
Auch unter Christen gibt es viel Unkraut
Auf dem Rückweg kam ich an einem Weizenfeld vorbei, aus dem einige grüne Halme herausragten: Unkraut. Es fiel mir sofort auf, weil es höher als die Weizenhalme gewachsen war. Mir kam dabei ein Gleichnis aus der Bibel in den Sinn:
Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Mann, der guten Samen auf seinen Acker säte. Während nun die Leute schliefen, kam sein Feind, säte Unkraut unter den Weizen und ging wieder weg. Als die Saat aufging und sich die Ähren bildeten, kam auch das Unkraut zum Vorschein. Da gingen die Knechte zu dem Gutsherrn und sagten: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher kommt dann das Unkraut? Er antwortete: Das hat ein Feind von mir getan. Da sagten die Knechte zu ihm: Sollen wir gehen und es ausreißen? Er entgegnete: Nein, sonst reißt ihr zusammen mit dem Unkraut auch den Weizen aus. Lasst beides wachsen bis zur Ernte. Wenn dann die Zeit der Ernte da ist, werde ich den Arbeitern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in Bündel, um es zu verbrennen; den Weizen aber bringt in meine Scheune“ (Matthäus 13, 24-30).
Ja, Jesus hat durch seine Botschaft von einem liebenden Vater im Himmel, durch sein Leben und Sterben einen guten Samen in den Acker dieser Welt gesät. Wer auf ihn sein Leben baut, gleicht dem Weizen, der einmal viel Frucht bringen wird.
Aber es gibt auch Unkraut in seiner Gemeinde: Irrlehren, Unglauben, Neid, Boshaftigkeit und vieles mehr. „Ihr Christen seid ja auch nicht besser“, werfen uns viele – nicht immer zu Unrecht – vor. Oder, wie Friedrich Nietzsche einmal geurteilt haben soll: „Die Christen müssten mir erlöster aussehen. Bessere Lieder müssten sie mir singen, wenn ich an ihren Erlöser glauben sollte.“
Was tun? Das Unkraut aus den Gemeinden entfernen? Jesus rät davon ab. „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet“ (Matthäus 7,1), bekräftigt er an anderer Stelle und fordert uns auf, den „Balken aus unserem Auge“ zu entfernen, statt auf den Splitter im Auge des Bruders zu zeigen.
Beim Betrachten des Weizenfeldes in Schönefeld war ich erstaunt, wie wenig Unkraut vorhanden war, obwohl es durch seine Größe und Farbe sehr auffiel. Unsere Nachrichten – so habe ich manchmal den Eindruck – berichten nur über das Unkraut in dieser Welt, so dass wir den Weizen gar nicht mehr sehen.
Christen bringen Frucht, wenn man sie an der Liebe erkennt: „Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt“ (Johannes 13,35). Hören wir auf, einander als „Unkraut“ zu bezeichnen oder auszugrenzen. Entfernen wir lieber das Unkraut in unserem eigenen Leben und unser Leben wird Frucht bringen, wenn die „Zeit der Ernte“ gekommen ist.
Gerhard Lenz für Gott in Berlin