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Dienstag, 7. Mai 2013

Kardinal Meisner: danken - nicht murren!


Am Sonntag, dem 5. Mai 2013, feierte Pfarrer Michael Schlede seinen 75. Geburtstag und gleichzeitig seinen Abschied als Pfarrer der Gemeinde „Mater Dolorosa“, der er 38 Jahre gedient hat. Unter den Gästen waren neben den Gemeindemitgliedern u.a. auch Günther Jauch mit Frau und Kardinal Joachim Meisner zu sehen, mit dem Pfarrer Schlede freundschaftlich verbunden ist.
Der Jubilar mit Kardinal Meisner und den Ministranten
In seiner Predigt erklärte der Kardinal, wenn Priester Weihejubiläen begingen oder Abschied aus ihrer Gemeinde feierten, wüssten wir oft nicht, ob wir eher „Herr, erbarme dich“ beten sollten oder es angemessener sei, das „Jubilate“ zu singen. Der Priesterberuf sei eine großartige Berufung, aber auch eine, die den Menschen eigentlich immer überfordere. Selbst wenn sie alles getan hätten, was ihnen aufgetragen sei, seien sie nur unnütze Knechte, weil der Herr es selbst sei, der gute Werke vollbringt.
Kardinal Meisner während der Predigt.
Es könne nicht der Sinn dieser Stunde sein, so Kardinal Meisner, die reichlich vorhandenen gesegneten guten Werke des Jubilars aufzuzählen. An dieser hl. Stätte könnten nur die Werke Gottes verkündet werden, sein Erbarmen, das im Leben des Jubilars vielfältig aufgeleuchtet sei. Dieser Tag sei deshalb zunächst einmal ein Tag des Dankes. Auch die Briefe des Apostels Paulus würden immer mit einer Danksagung und einem Lobpreis beginnen, selbst wenn er sich an die zerstrittene Gemeinde von Korinth wandte.
Pfarrer Schlede hätte immer Glück gehabt. In den 48 Jahren seines priesterlichen Wirkens habe er nur drei Stellen innegehabt: Zunächst als Kaplan in „St. Petrus“ für zwei Jahre, dann sieben Jahre als Kaplan in der Nachbarpfarrei „Hl. Familie“ und als krönender Abschluss 38 lange Jahre als Pfarrer in „Mater Dolorosa“ in Berlin-Lankwitz. Auch wenn der Mensch Manches mies mache, würde Gott alles wunderbar machen. Sein Herz sei größer als unsere Erbärmlichkeit. Das Erbarmen Gottes mit uns Menschen und der Welt sei aller Danksagung wert.
Die Freude an Gott war Pfr. Schlede anzusehen!
Wir aber neigten dazu, den Erbfehler des Volkes Israel zu übernehmen: das Murren. Das Volk murre über seine Propheten, die Propheten über Gott. Gott aber murre nie. Das moderne Wort dafür heiße „Unbehagen haben“. Die Priester, die Bischöfe, das Volk hätten heute alle ein großes Unbehagen – einer über den anderen. Gott liebe nicht das Murren des Volkes. Er habe uns den Auftrag gegeben, immer und überall Dank zu sagen.
Ob es recht sei, dass unser Jubilar uns zu diesem Fest eingeladen habe, fragte der Kardinal.  Auf jeden Fall! Mit ihm wollten wir heute Dank sagen für die Großtaten Gottes, die Michael Schlede verkündigen durfte.
Die Kirche sei sehr nüchtern. Sie spreche von der „Last des Priesteramtes“. Der Jubilar habe auf sein Primizbildchen ein Wort aus dem Römerbrief geschrieben: „O Tiefe des Reichtums, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes! Wie unergründlich sind seine Entscheidungen und wie unerforschlich seine Wege! Denn wer hat die Gedanken des Herrn erkannt? Oder wer ist sein Ratgeber gewesen?“ (Römer 11, 33,34). Dieses unbegreifliche Geheimnis ins Wort zu bringen sei den Priestern aufgetragen und bleibe ein lebenslanges Ringen.
Wir alle müssten als Christen manchmal Aufgaben übernehmen, die uns zu überfordern scheinen. Pfarrer Schlede war in den 48 Jahren seines priesterlichen Wirkens immer bis an die Grenzen seiner Kraft gefordert gewesen. „Einer trage des anderen Last“, sage der Apostel Paulus. Unter Last –   so der Kardinal - seien hier besonders unsere Sünden, unsere Schwachheiten, unsere Fehler zu verstehen, mit denen wir anderen auf die Nerven gehen.
Einen vollkommenen Menschen gäbe es nicht, auch wenn er geweiht sei. „Ertragt einander in Liebe“, fordere Paulus im Epheserbrief. Das Gegenteil von Ertragen sei das Nachtragen. Man sammelt alles in ein Töpfchen, trage es hinter sich her und halte es bei passender und unpassender Gelegenheit dem anderen unter die Nase. Das aber führe zu Zwist in der Familie, der Pfarrei, im Bistum.
Pfarrer Schlede habe in den 48 Jahren seines priesterlichen Dienstes deutlich gemacht, dass geteilte Freude doppelte Freude ist, aber auch geteiltes Leid halbes Leid sei. Manchmal möchte man aber auch, wenn man auf sein eigenes Leben zurückschaue, noch einmal von vorn anfangen und Manches anders machen. Der Kardinal tröste sich dann mit einem alten Wort des Bischofs von Görlitz, Ferdinand Piontek, der als junger Priester an der Gründung von Mater Dolorosa mitgewirkt habe: „Inwieweit wir Erfolg haben werden, wissen wir nicht. Wenn ich heute sterbe, wird mich der Herr nicht fragen, wie viele Erfolge, Misserfolge, wie viele Seelen hinzugewonnen, wie viele verloren. Nichts von alledem. Entscheidend wird sein, ob ich mit ehrlichem Willen und reiner Absicht für das ganze Reich Gottes gearbeitet habe. Wenn ja, dann schaden mir keine Misserfolge. Wenn nein, dann retten mich auch keine Erfolge... Starren wir nicht gebannt auf den Erfolg, sondern schauen wir mit den Augen des Glaubens und mit den Augen der Liebe Christi auf die ganze Welt als unsere Pfarrei.“
Diese Glaubenssicht gebe uns Hoffnung und Zuversicht. Möge Gottes Gnade weiterhin all unserem Tun vorausgehen, es begleiten und vollenden. Das sei unsere Hoffnung, die unseren Jubilar auch heute noch an seinem 75. Geburtstag mit dem Schwung und der Jugendlichkeit eines echten Jüngers Jesu erfülle. Vor 48 Jahren habe er das Priestertum und vor 38 Jahren den Pfarrdienst in Mater Dolorosa mit der Feier der hl. Eucharistie begonnen: „So soll es gut katholisch bleiben. Darum tritt nun an den Altar, um mit deiner Gemeinde Eucharistie zu feiern, Dank zu sagen, immer und überall. Das ist würdig und recht. Amen.“
Gerhard Lenz
Bis zur Maiandacht um 16.00 Uhr wurde im Pfarrsaal und draußen gefeiert.

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