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Montag, 17. Februar 2020

Mit Friedrich Merz in eine gute Zukunft?

Vor wenigen Tagen waren meine Frau und ich beim „Forum Mittelstand“ zu einem Vortrag von Friedrich Merz: „Was nun Deutschland? – (Aus-)Wege in eine gute Zukunft!“ – Viele fragen sich: Wird er der neue CDU-Vorsitzende und Kanzler? Was hat er politisch vor? 
Foto: Birgitta Lenz
Friedrich Merz mit Nikolaus Harbusch (BILD)
Bei seiner Begrüßung beklagte der Leiter des Forums, Stefan Friedrich, dass wir in den letzten Tagen eine Welle der Gewalt gegen die FDP erlebt hätten, insgesamt über 50 Anschläge. Der Straßenterror der roten Antifa müsse der Vergangenheit angehören, wenn wir keine Weimarer Verhältnisse wollten. Wir bräuchten eine faire Debattenkultur in den Parteien und der Öffentlichkeit. Und Deutschland brauche einen Neuanfang.
Vorgänge in Thüringen
Friedrich Merz ging zu Beginn seiner Ansprache auf die Vorgänge in Thüringen ein und nannte sie „inakzeptabel“. Leider blieb offen, was er damit meinte: Den Terror der Antifa oder den Versuch der Kanzlerin, eine demokratische Wahl mit Drohungen zu korrigieren oder ist für ihn inakzeptabel, dass ein Politiker der FDP auch mit Stimmen der AFD gewählt wurde? Wahrscheinlich meinte Merz den letzten Punkt, denn er betonte, es dürfe für die Union „keine Zusammenarbeit mit diesen Leuten“ (AFD) geben. 
Koalition mit den GRÜNEN?
Der FDP warf er vor, es sei ein Fehler gewesen, vor zwei Jahren nicht in eine Koalition mit der CDU und den GRÜNEN eingetreten zu sein. Vermutlich strebt Merz ebenfalls eine derartige Koalition an, wenn er CDU-Vorsitzender und Kanzlerkandidat werden sollte. Dann wird eine politische Wende in Deutschland und eine programmatische Erneuerung der CDU aber ausbleiben und der Abwärtstrend dieser Partei meines Erachtens nicht aufzuhalten sein.

Dienstag, 11. Februar 2020

Staat und Kirche - eine immerwährende Ehe?

Seit meiner Studienzeit im Fach Geschichte hat sich mir als einem der wenigen Studenten, die an Kirchengeschichte interessiert waren, ein Schlagwort eingebrannt: „Thron und Altar“. Die damit fachlich befassten Professoren waren sich weitgehend darüber einig, dass diese Formel das Verhältnis von Staat und Kirche über 1500 Jahre hinweg treffend bestimmt und unsere gesellschaftliche Wirklichkeit bis heute geprägt habe. Da konnten sie sich des Beifalls der „Post-68er“ Kommilitonen sicher sein. Denn im „roten Jahrzehnt“ (Gerd Koenen) war es unbezweifelter Glaubenssatz, dass die Religion „Opium des Volkes“ (Marx) und die Kirche immer die „Kirche der Herrschenden“ gewesen seien. „Rote Theologen“ (wie z.B. Helmut Gollwitzer, Hans-Eckehard Bahr, Hans-Jürgen Benedict, Friedrich Wilhelm Marquardt, Dorothee Sölle, Martin Stöhr, Heinz Eduard Tödt) flankierten die studentische Herrschaftskritik mit materialistischen Bibelexegesen und auch marxistischen Deutungen sowie Verweisen auf neue „linke“ Theologien, wie die „Theologie der Befreiung“ und die „Theologie der Revolution“. 

Wer anders dachte und notwendige Differenzierungen bzw. Aufhellungen des düsteren Tintoretto Gemäldes von zeitgenössischer Theologie und verfasster Kirche anmahnte, sah sich rasch als Außenseiter und „Obskurant“ an den Katzentisch gesetzt. Der einzige Historiker am Institut für Geschichte, der die platte These von „Thron und Altar“ kritisch-empirisch zu differenzieren versuchte, wurde von den versammelten „Linken“ als Kuriosum ignoriert. 
In Erinnerung daran, scheint es mir angesichts einer neu entfachten Debatte über die „Politisierung“ von Theologie und Kirche sinnvoll zu sein, über die Formel von „Thron und Altar“ genauer nachzudenken. Denn was da als stabile Ehe charakterisiert wurde und in erster Linie dem Luthertum in die Schuhe geschoben wurde, das war ein höchst fragiles Verhältnis und schwankte in der Vergangenheit zwischen Liebesheirat, Vernunftehe und Scheidungsbemühungen. Am Schluss werden wir uns fragen, wo wir heute stehen.
Von der „Sekte“ zur Staatsreligion
Der bis heute beklagte „Super- Gau“ des Christentums fand – so das herrschende Narrativ - im 4. Jahrhundert n. Chr. statt. Kaiser Konstantin, der seinen Sieg gegen seinen Rivalen Maxentius (312 n. Chr. an der Milvischen Brücke) auf die visionäre Unterstützung des Christengottes zurückführte („In hoc signo vinces“), wurde Christ (keiner weiß genau wann, getauft wurde er jedenfalls erst auf dem Sterbebett 337). Er gewährte der christlichen Religion Kultfreiheit im Römischen Reich und seine Religionspolitik bereitete den Boden für die enge Verbindung von „Thron und Altar“ (sog. „Konstantinische Wende“). Aber der „Altar“ hatte schon bei dem großen Konstantin wenig zu melden, denn dieser mischte sich aus staatspolitischen Gründen in innerkirchlich-institutionelle Probleme ein und entschied theologische Streitigkeiten, sogar über komplexe christologische Grundprobleme (Konzil von Nicäa, 325). Einer seiner Nachfolger ging noch weiter und etablierte das Christentum als Staatsreligion (Theodosius I., 380). Die „Heiden“ hatten hinfort nichts mehr zu lachen (Erlass gegen die Häretiker, 381). Die „Reichskirche“ war geboren und von da an schienen „Thron und Altar“ unzertrennlich zu sein. Die Formel gab es damals aber noch nicht. Das Schlagwort wurde erst im 18. Jahrhundert in religionskritischer Absicht popularisiert. Es war beim französischen Klerus in Gebrauch und wurde erstmalig in Voltaires „Mahomet“ (1741, I, 4 und II, 3) genannt („J’associai ma vie à ses travaux immenses; Des trônes, des autels en sont les ́recompenses“. Ich weihe mein Leben unermesslichen Arbeiten: Throne und Altäre sind ihr Lohn. Und: „Malgré les soins de l’autel et du trône“. Trotz aller Sorgen um Altar und Thron). Im 19. Jahrhundert ist es dann zum bekannten und gebräuchlichen Schlagwort geworden. So hat z.B. Heinrich Heine 1830 in seinen „Reisebildern“ (Kapitel 101) polemisiert: „Ist doch das affektierte Interesse für Thron und Altar nur ein Possenspiel, das dem Volke vorgegaukelt wird“! Soweit die Herkunft des Begriffes, die ja auch schon etwas über den späteren politisch-propagandistischen Gebrauch verrät.

Dienstag, 28. Januar 2020

Quo vadis, Ecclesia?

Eine fromme Polemik von Dr. Johannes Kandel

Motto von MARTIN LUTHER: „Zorn am rechten Ort ist eine Gabe Gottes, und wer zu rechter Zeit schelten kann mit rechten Worten, ist große Kunst. Wann ich zornig bin, so laß man mich nur zufrieden und verschnauben. Denn dauernd kommen mir Sachen in die Quere, die mich aufregen. Andern Leuten geht es auch so, glaube ich. Deshalb soll man einem Zornigen Raum geben“. (Martin Luther, 8. Dezember 1532. WA TR, Bd. 3, S. 13 (2836a, 2836b). 
Ja, ich bin zornig. Und traurig zugleich. 
Die Predigt 
Wieder habe ich mich nach dem letzten Gottesdienst in der Kirche gefragt, was mir diese Kirche noch zu sagen hat. Erneut predigte die Pfarrer*In mit dem Doppelnamen über das Klima, den „Rechtspopulismus“ und zahlreiche weitere Todsünden des „rechten Lagers“ und unsere Verantwortung als Christen. Wachet und betet, damit das rechte Lumpenpack (Nazis, „Rechtspopulisten“ etc.), die „Rassisten“ und alle mit christlichen „Phobien“ Behafteten, nicht überhandnehmen! Forscht nach, wo in Euren frommen Kreisen wider den Stachel der christlich-politischen Korrektheit gelöckt wird, mit Worten, Werken, Taten und Internet-Postings. Für das Durchforsten des Internets sorgte zwar schon eine Zeitlang das „Projekt Netzteufel“ der Evangelischen Akademie (inzwischen aus Subventionsmangel eingestellt), aber Achtsamkeit ist für jeden Christen Pflicht! Leistet „Widerstand“ gegen die Mächtigen der Erde, die „SIE (DIE LEBENDIGE) von den Thronen gestürzt und Erniedrigte erhöht“ hat. Da werden „sie schreien und vor Todesangst mit den Zähnen knirschen“. (Bibel in gerechter Sprache, Psalm 103, 19 und Lukas 1, 51-52). Interessante und wissenschaftlich fundierte Vorträge z.B. zum „Klimawandel“ und unserer gesellschaftlichen Lage kann ich mir in der Urania anhören oder aus zahllosen Portalen im Internet herunterladen. Da muss ich nicht um 10.00 Uhr in einer schönen, aber kalten Kirche sitzen, um mir meinen sonntäglichen Schuss Humanismus mit erhobenem Zeigefinger abzuholen. 
Dreieinigkeit heißt nicht mehr Vater, Sohn und Hl. Geist, sondern "Demokratie, Respekt, Vielfalt"
Der „gute Gott“ und die „Sünde“ 
Seit wann werden Gebete stets mit der Anrede: „Guter Gott“ begonnen? Das fällt mir auf. Theologisch-feministisch korrekt müsste die ehrfurchtsvolle Anrede aber eigentlich lauten: „GUTE EWIGE“, „GUTE EINE“, „GUTE LEBENDIGE“ oder „GUTE(R)ADONAJ“ (Da hakt’s schon!), obwohl das – dem HERRN sei Dank! – auch nicht immer in dem feministischen Monumentalwerk „Bibel in gerechter Sprache“ durchgehalten wird. Egal. Klar, Gott ist gut, Gott ist Liebe, Gott ist Barmherzigkeit, Gott ist Gnade, Gott ist Vergebung... etc. Aber dieser Gott kann auch richtig zornig werden und ausrasten über die Sünde der Menschen, vor allem seines auserwählten Volkes Israel. Das steht dann meistens im „Alten Testament“. Uuups! Sünde? Da war doch was? Feministisch korrekt wird das gleich mal locker eskamotiert: Aus Psalm 1,1 : „Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen noch tritt auf den Weg der Sünder noch sitzt, wo die Spötter sitzen“ wird eine Anklage gegen die „Mächtigen“ gezaubert: „Glücklich sind die Frau, der Mann, die nicht nach den Machenschaften der Mächtigen gehen, nicht auf dem Weg der Gottlosen stehen...“ (Bibel in gerechter Sprache). Ich brauche ja nicht gleich eine pietistische, donnernde Jüngste-Gerichts-Predigt hören mit Hölle, Teufel, Tod und dem grauenhaften Untergang des sündhaften Menschengeschlechts! Aber etwas mehr Ernst im Blick auf das nicht weg zu theologisierende böse „Dichten und Trachten“ des Menschen (1. Mose 6,5) sollte schon sein.